Bewertung des Unternehmens
Die Unternehmensbewertung ist das Herzstück jeder Nachfolgeverhandlung. In der Schweizer KMU-Praxis kommen drei Methoden am häufigsten zum Einsatz:
Ertragswertmethode
Die Ertragswertmethode bestimmt den Unternehmenswert anhand der zukünftig erwarteten Erträge. Die Formel in vereinfachter Form:
Ertragswert = Nachhaltiger Jahresgewinn / Kapitalisierungszinssatz
Der Kapitalisierungszinssatz berücksichtigt den risikofreien Zinssatz plus eine Risikoprämie (je nach Branche, Grösse und Abhängigkeit vom Inhaber: typisch 8–15 % für KMU).
Vorteil: Berücksichtigt die Ertragskraft des Unternehmens.
Nachteil: Stark abhängig von Annahmen über zukünftige Erträge und den Kapitalisierungszinssatz.
Substanzwertmethode
Der Substanzwert entspricht dem Marktwert aller Aktiven abzüglich aller Verbindlichkeiten — also dem bereinigten Eigenkapital zu Marktwerten (nicht zu Buchwerten).
Substanzwert = Summe aller Aktiven (zu Marktwert) – Summe aller Verbindlichkeiten
Stille Reserven (z. B. unterbewertete Immobilien, nicht bilanzierte Markenrechte) werden aufgedeckt und dem Substanzwert zugerechnet.
Vorteil: Objektiv und überprüfbar.
Nachteil: Berücksichtigt nicht die Ertragskraft — ein hoch profitables Unternehmen mit wenig Substanz wird unterbewertet.
Praktikermethode (gewichtete Methode)
Die in der Schweiz gebräuchlichste Methode für KMU-Bewertungen ist die sogenannte Praktikermethode, die vom Steueramt anerkannt wird:
Unternehmenswert = (Ertragswert × 2 + Substanzwert × 1) / 3
Die Gewichtung von 2:1 zugunsten des Ertragswerts reflektiert die Annahme, dass die Ertragskraft eines Unternehmens wichtiger ist als seine Substanz.
Praxistipp: Die Praktikermethode eignet sich als Ausgangspunkt für Verhandlungen, nicht als abschliessender Preis. In der Realität wird der Kaufpreis zusätzlich von Faktoren wie Marktposition, Kundenabhängigkeit, Inhaberabhängigkeit und strategischem Wert beeinflusst.
Inhaberabhängigkeit: Der grösste Werttreiber (und -vernichter)
Bei vielen Schweizer KMU ist der Inhaber gleichzeitig Geschäftsführer, Hauptverkäufer, Schlüsselentwickler und einziger Bankgesprächspartner. Je stärker das Unternehmen vom Inhaber abhängt, desto höher der Abschlag auf den Unternehmenswert. Käufer kalkulieren das Risiko ein, dass Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter nach dem Inhaberwechsel abwandern.
Empfehlung: Beginnen Sie 3–5 Jahre vor der geplanten Nachfolge damit, sich schrittweise aus dem Tagesgeschäft zurückzuziehen. Delegieren Sie Kundenbeziehungen, bauen Sie ein Führungsteam auf und dokumentieren Sie Prozesse.